MarcoSchirmer

Mobiles Arbeiten ist nicht nur eine Frage der Technik.

#MYOFFICE


Marco Schirmer, Lead Consultant Unified Communication & Collaboration bei Computacenter, ist sehr viel unterwegs und arbeitet regelmäßig mobil. Wie das konkret aussieht und warum mobiles Arbeiten neben der passenden Technologie auch ein Umdenken in Unternehmen erfordert, hat er uns in einem persönlichen Gespräch erläutert.
 

SIE SIND EIN REGELMÄSSIGER TEILNEHMER AN UNSERER #MYOFFICE-KAMPAGNE, WO ARBEITEN SIE AM LIEBSTEN UND WO AM HÄUFIGSTEN?

Am liebsten arbeite ich weiterhin in unserer Geschäftsstelle, weil mir der persönliche Austausch und Kontakt zu Kollegen sehr wichtig sind. Ich arbeite aber inzwischen natürlich auch in der Bahn oder im Flugzeug und nutze gerne die Wartezeiten an Flughäfen und Bahnhöfen. Oft bereite ich mich auf Termine vor und bearbeite Präsentationen. Denn als Consultant produziere ich in der Hauptsache Word-, Excel- und PowerPoint-Dateien, das sind meine wichtigsten Business-Prozesse. Darüber hinaus arbeite ich auch im Homeoffice, diese Flexibilität genieße ich sehr. Mein Tablet nutze ich dabei hauptsächlich, um Informationen zu konsumieren. Wenn es in der Bahn eng ist, verwende ich dazu auch häufig das Smartphone. Mit dem Laptop hingegen bearbeite ich in der Regel meine Dokumente.

HEUTE ARBEITEN SIE ALSO MIT DEN DREI GÄNGIGEN MOBILEN GERÄTEN LAPTOP, TABLET UND SMARTPHONE. WAS WAR DENN IHR ERSTES ENDGERÄT, DAS SIE ZUM MOBILEN ARBEITEN GENUTZT HABEN?

Mein erstes mobiles Device war Ende der 1990er ein Palm, damit habe ich in der Hauptsache Termine verwaltet.

Wirklich mobil gearbeitet habe ich dann zum ersten Mal 2010 mit dem iPhone 4, damit konnte ich endlich unterwegs Mails lesen und überall auf Informationen zugreifen. Ein echtes Aha-Erlebnis in Sachen mobiles Arbeiten war eine Situation in einem Kundentermin vor einigen Jahren, als der Kunde eine technische Nachfrage hatte. Damals habe ich dann relativ einfach via Tablet einen Kollegen hinzugeholt und wir haben eine Videokonferenz gemacht, in der das Problem gelöst werden konnte. Das war eine tolle Sache, die auch beim Kunden bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

MITTLERWEILE HAT SICH IN SACHEN MOBILES ARBEITEN EINIGES GETAN. WELCHE VERÄNDERUNGEN SIND IHRER MEINUNG NACH DENN NOTWENDIG, DAMIT ES NOCH EINFACHER WIRD?

Der mobile Datenverkehr muss viel umfassender verfügbar gemacht werden, denn Mobilfunk ist eigentlich eine sehr gute Möglichkeit, um unterwegs zu arbeiten. Bislang sind Datenvolumen hierzulande im Vergleich zum europäischen Ausland jedoch sehr teuer. Außerdem erwarte ich, dass WLAN-Strukturen besser ausgebaut und in allen Verkehrsmitteln verfügbar gemacht werden. Denn damit kabellose Netzwerke den maximalen Mehrwert bringen, müssen sie flächendeckend nutzbar sein. Allerdings ist ein öffentliches WLAN auch immer ein Sicherheitsrisiko.

Deshalb ist Mobilfunk die bessere Alternative, gerade wenn 5G einmal flächendeckend zur Verfügung steht.

SIE SIND BERUFLICH SEHR VIEL MIT DER BAHN UNTERWEGS. WIE IST DENN IHRE ERFAHRUNG MIT DEM DORTIGEN WLAN?

Ganz schlecht, ich nenne es immer „WLAN on Ice“, denn es ist leider extrem rutschig. Meine typischen Bahnstrecken sind Berlin–Hamburg und Berlin–Hannover. Dort funktioniert das WLAN höchstens in 50 Prozent aller Fälle zuverlässig. So kann man einfach nicht arbeiten, hier besteht noch eine Menge Verbesserungspotenzial.

POTENZIAL GIBT ES SICHERLICH IN VIELERLEI HINSICHT. WIE WIRD SICH MOBILES ARBEITEN IN DEN NÄCHSTEN JAHREN ENTWICKELN?

Ich gehe davon aus, dass das Thema Sprachsteuerung über intelligente Assistenten künftig eine große Hilfe dabei sein wird, Dinge schnell und ad hoc zu erledigen. Bestimmte Berufsgruppen wie Außendienstmitarbeiter, die viel im Auto unterwegs sind, könnten so künftig viel einfacher Termine vereinbaren oder Abfragen machen. Künstliche Intelligenz wird aber auch an anderen Stellen zunehmend wichtiger. Chat-Bots könnten beispielsweise nicht nur für den Kontakt mit Kunden, sondern auch für interne Prozesse wie beim Servicedesk einen hohen Mehrwert bieten.

Außerdem spielt für mich das Thema Video eine ganz wichtige Rolle. Denn damit wird die Qualität von Meetings spürbar besser. Sie sind im Vergleich zu reinen Telefonkonferenzen nicht nur verbindlicher, sondern ich kann Mimik und Gestik meines Gegenübers sehen und darauf reagieren. Alle Teilnehmer sind so viel stärker involviert, das führt fast zwangsläufig zu einer stärkeren Interaktion – und auch so gut wie immer zu besseren Ergebnissen.

KLINGT VIELVERSPRECHEND. UND WAS MUSS DAFÜR PASSIEREN?

Damit sich mobiles Arbeiten weiter durchsetzt, müssen neben den technologischen unbedingt auch die kulturellen Aspekte viel mehr Beachtung finden. Es ist ein Umdenken bei den Mitarbeitern erforderlich, denn heute sind wir noch gefangen in alten Dokumenten und Ablagen. Bis wir alle soweit sind, dass wir über SharePoint, Cloud Services und Workstream- Messaging-Funktionalitäten arbeiten, wird noch einige Zeit vergehen. Dazu ist ein Change-Management-Prozess notwendig. Die Verantwortung bezüglich der Arbeitsweise muss viel stärker in das jeweilige Business übergeben werden und darf nicht zentral bei der IT-Abteilung liegen.