Zwang zum Glück

VON JÖRG TEWES

Nun ist es also soweit: Seit der Umstellung auf Version 10 bringt Microsoft in jedem Halbjahr eine neue Version heraus und bietet jeweils nur für 18 Monate Support. Selbst beim Überspringen einer Nummer ist also alle 12 Monate eine Migration fällig, weshalb sich manch einer davon regelrecht überrollt fühlt. Doch es ist ein richtiger und notwendiger Schritt: Denn sowohl Hersteller als auch Anwenderunternehmen müssen heute schneller und flexibler werden, um auf Markt- und Kundenanforderungen, Technologien, Compliance- und Security-Richtlinien angemessen reagieren zu können. Insofern zwingt Microsoft seine Kunden also ein Stück weit zu ihrem Glück – ob sie wollen oder nicht. 

Und so sollten IT-Verantwortliche die neue Evergreen-Strategie von Microsoft nicht als Ärgernis, sondern als Unterstützung für die schnelle Erfüllung neuer Wünsche von Kunden und Mitarbeitern betrachten. Natürlich macht diese „Hilfe“ zunächst erstmal Mühe – denn was früher über Jahre geplant, vorbereitet und durchgeführt wurde, muss nun innerhalb weniger Monate und in ständiger Wiederholung passieren. Damit verändern sich auch die Anforderungen an die IT-Abteilung – statt einzelner Großprojekte sind kontinuierliche Services für die Windows-Infrastruktur umzusetzen. Wer also die Umstellung auf Windows 10 als singuläres Projekt begreift, ist zum Scheitern verurteilt. Denn anders als frühere Migrationen erfordert Windows 10 eine ganzheitliche Strategie mit einer Umstellung der internen Prozesse und Strukturen in allen Bereichen.

Die IT muss interne Silos auflösen, um umfassende Lösungen aus Hardware, Betriebssystem und Anwendungen zu entwickeln. Fachabteilungen müssen enger mit der IT zusammenarbeiten, damit diese einen zeitgemäßen Digital Workplace gestalten kann. Die Mitarbeiter haben sich an permanente Neuerungen zu gewöhnen, worüber sie zum Beispiel in Form von Popups oder regelmäßigen Schulungen informiert werden. Und die Geschäftsführung muss diese Umstellungen von Anfang an vorantreiben und unterstützen, um von den Vorteilen der Digitalisierung zu profitieren. Nur wer die Windows-10-Migration als Prozess und nicht als Projekt begreift, wird also am Ende erfolgreich sein.